Viele Fragen, kaum Antworten

Damen - 30. August 2010

Oberliga Baden-Württemberg

Völlig verrückte Fußballwelt. Die TSG Balingen führte beim 1. FC Normannia Gmünd mit 3:0, kassierte dann aber fünf Gegentore und zwei Rote Karten. Nun sitzt der Oberligist im tiefsten Tabellenkeller fest.

Schwäbisch Gmünd. 3:5 nach 3:0: Dieses Ergebnis wirft weit mehr Fragen auf, als dass es Antworten liefern könnte. Wie ist es beispielsweise um die charakterliche und mentale Verfassung einer Elf bestellt, die einen derartig satten Vorsprung nicht nur verspielt, sondern sich am Ende auch noch zwei Rote Karten einfängt? Wie lange etwa dauert es, bis die Spieler realisieren, dass sie auch mit den Augen lernen müssen? Wie unterlegen werden die Balinger auch künftig gegen zweifelsfrei personell stärker bestückte Klassenkonkurrenten sein?

Gegenüber der 0:1-Niederlage gegen die Stuttgarter Kickers änderte TSG-Trainer Karsten Maier sein Team nominell auf zwei Positionen: Für Jauß (verletzt) und Steinwandel spielten Todorovic und Scheu von Beginn an. Gmünd schien zunächst die Partie bestimmen zu können, doch die Gäste konterten eiskalt. Nach einem feinen Clayton-Zuspiel war Levent Üner auf und davon und schob flach zum 0:1 ein (12.). Clayton war auch vor dem 0:2 der Ausgangspunkt: Der Brasilianer legte den Ball quer zu Felice Dilucia, der gewann einen Pressball im Liegen, rappelte sich auf und traf hoch ins Tor (14.)! Nach 25 Minuten flankte Clayton zu Taube, dessen Kopfball von Gmünds Keeper Matthias Gruca gerade so geklärt wurde. Wenig später war der Schlussmann aber zum dritten Mal geschlagen: Einen Dilucia-Eckball rammte Clayton mit voller Wucht und aus kurzer Entfernung mit dem Kopf zum 0:3 ins Tor (26.).

Wie wäre wohl die Geschichte weiter gegangen, wenn das vermeintliche 0:4 gezählt hätte? Die umstrittene Szene: Claytons Freistoß aus halbrechter Position zischte ins kurze Eck, Gruca fischte den Ball erst hinter der Linie. Doch der Schiri-Assistent hatte die Fahne oben: Er reklamierte eine Abseitsposition von Dilucia.

Dass diese Entscheidung nicht nur falsch, sondern auch fatal für die Balinger war, zeigten die nächsten Minuten. Der starke Manuel Grampes verkürzte zum 1:3 (39.), ein Molinari-Freistoß flog kurz darauf haarscharf über den TSG-Kasten (41.). Dann war's aber doch passiert: Im Abwehrtorso rettete erst Kraus, dann klärte Willig auf der Linie, ehe der dritte Versuch saß – das 2:3 durch Molinari traf die TSG mitten ins Mark (44.).

Im zweiten Durchgang entwickelte sich zunächst ein flottes Duell mit verteilten Spielanteilen. Gmünds Bergheim köpfte in der 49. Minute neben das Tor, einen Schlenzer von Üner lenkte Gruca über die Latte (56.). Mehr Probleme hatte der Gmünder Schlussmann bei einem Schuss von Clayton (59.), ebenso bei einem Freistoß-Hammer aus gut 25 Metern von Pflumm (66.).

Doch es kam die Zeit, in der zunehmend Grucas Gegenüber Kevin Kraus in den Blickpunkt des Geschehens rücken sollte. Der Balinger Torhüter lenkte den Ball von Grampes übers Tor (63.), rettete auch gegen Osman (69.) und erneut gegen Grampes (71.). Weniger gut sah er beim 3:3 aus, das Patrick Faber via Innenpfosten gelang (77.). Die Normannia drängte nun mit Brachialgewalt auf die Entscheidung. Nach einem zunächst abgewehrten Ball ließ Patrick Fabers Leo-Ruf die Ostalb beben, Faber traf die Kugel aus vollem Lauf und ließ sie mit ungehemmter Vehemenz in den rechten Winkel fliegen, das 4:3 war ein Traumtor (82.).

Nur noch einmal tauchte die TSG gefährlich auf, aber Buchstors Distanzknaller entschärfte Gruca (90.). Davor leisteten sich die Gäste zwei unerklärliche Aussetzer: Clayton deutete gegen einen Gmünder eine Ohrfeige an und sah „rot“ (87.), dann schoss Taube den Ball an den Körper eines Gegenspielers, ebenfalls „rot“ (89.). In beiden Szenen war die Partie längst unterbrochen gewesen.

Für die endgültige Entscheidung sorgte schließlich Catizone. Der Ex-VfB-Profi schob nach einem Konter zum 5:3 ein (90.+2).

Am kommenden Samstag (15.30 Uhr) kreuzt die TSG Weinheim zum Oberliga-Kellerduell im Au-Stadion auf.

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Von Ralph Conzelmann



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